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Laura und Ihr Ludwighof

Heute haben wir wieder eine #derkraichgauistmehr Persönlichkeit. #derkraichgauistmehr ist unsere Rubrik, in der wir Menschen vorstellen, die sich alle auf ihre ganz eigene Art und Weise für den Kraichgau einsetzen. Wir freuen uns sehr euch heute Laura vorstellen zu dürfen. Kennengelernt haben wir uns über Instagram – faszinierend, wie viele tolle Menschen, wir nun schon über Social Media kennenlernen durften. Viel Spaß beim Kennenlernen von Laura und Ihrer Geschichte – O-Töne haben wir wieder in Anführungszeichen gesetzt.

Nachhaltigkeit leben, im Kreislauf der Jahreszeiten zu Hause, zu verarbeiten, was verfügbar ist – das alles ist Lauras Familie wichtig. 2019 sind sie auf der Suche nach einem Ort, wo sie Arbeit – ökologische Sanierung von Häusern – und Leben verbinden können, entdecken den Ludwighof und sind sich sofort einig: hier wollen sie leben und arbeiten.

Der Ludwighof. Copyright AliSa.

Was folgt sind die ökologische Kernsanierung des Hofes – der zum Teil aus dem 16. Jahrhundert stammt – und die Restaurierung des Räucherofens, sowie der Aufbau eines Steinbackofens.

Mittlerweile betreibt Laura den Hofladen, ihr Vater backt das Brot, räuchert Fisch, stellt Wurstwaren her und ihre Mutter ist für den Kuchen zuständig. Jeder bringt sich ein und so ist ein wunderbarer Ort mitten im Kraichgau entstanden.

„Ich möchte einen Begegnungsort schaffen, einen Ort, wo die Menschen gerne hinkommen. Eine schöne Zeit haben.“ Und hier kommt man definitiv gerne hin. Als wir das erste Mal den Innenhof betreten, sind wir sofort fasziniert von der Schönheit aber auch der Ruhe, der dieser Innenhof ausstrahlt.

Laura. Copyright Laura.

Laura möchte genau diesen Innenhof durch kleine Veranstaltungen wieder zugänglich machen. Auch Frühstück soll es kommendes Jahr im Freien geben. Wenn es die Pandemie wieder zulässt, bietet sie es auch wieder im hofeigenen Café an. Sie wäre derzeit jedes Wochenende ausgebucht. Wusstet Ihr, dass genau in diesen Räumen früher das Gasthaus Rössle war?

Laura und ihre Familie schließen den Kreislauf und schaffen mit ihrem Konzept einen wunderbaren Ort im Kraichgau. Zur Begegnung, zum Einkaufen von nachhaltig produzierten Lebensmitteln, zum Verstehen, was das Leben in den Jahreszeiten bedeutet. Noch lange haben wir uns ausgetauscht, sind von einem Thema ins nächste gekommen, haben gemeinsam einen Kaffee getrunken und waren für einen Moment völlig eingetaucht in die Geschichte des Ludwighofs.

Was ihre Pläne sind, fragen wir zum Abschluss des Gesprächs. „Irgendwann im Hof stehen und sehen, was wir alles geschafft haben, zu sehen, dass der Ludwighof lebt – das würde mich stolz machen.“

Liebe Laura, vielen Dank für deine Zeit und den Austausch. Zu sehen, was du mit deiner Familie dort verwirklichst, ist toll! Aus der Tradition kommend, in der Gegenwart aktiv und ausgelegt für die Zukunft, einfach #derkraichgauistmehr

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Ein Gespräch mit Mel von Mel’s – Kaffee und mehr

Ihr Lieben,

Gastronomie leb ich und lieb ich“ – dieser Satz stammt von Melanie Westermann-Weis, die Namensgeberin und Inhaberin von „Mel’s – Kaffee und mehr“ in Neidenstein.

Mel ist durch und durch eine Powerfrau, die mit ihrer Energie dazu beiträgt, den Kraichgau erlebbar zu machen. Wir treffen uns mit ihr zum Gespräch in ihrem Café. Schon von außen fällt auf, dass viel Herzblut und Liebe zum Detail in der Dekoration steckt. Dieser Eindruck bestätigt sich im inneren – überall kleine weihnachtliche Ecken, man kann sich sofort wohlfühlen. Leider wird Mel`s momentan aus gegebenem Anlass kaum mit Leben gefüllt.

Bild Dekoration im Inneren. Copyright AliSa.

Aber dazu gleich mehr. Mel und ihr Café, ihre Liebe zur Gastronomie, das Thema Nahversorgung und ihr Bemühen mit der aktuellen Coronaverordnung wollen wir euch nun im folgenden Artikel genauer vorstellen.

Taucht mit uns ein in diesen #derkraichgauistmehr Beitrag, wir wünschen euch viel Spaß! Die O-Töne von Mel haben wir wieder in Anführungszeichen gesetzt.

Melanie Westermann-Weis, genannt Mel, ist eine gebürtige Neidensteinerin. Sie und ein Schulfreund haben bis Februar 2009 das Neidensteiner Gasthaus „Zur Sonne“ gepachtet und erfolgreich geführt. Zu dieser Zeit war das Gasthaus weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt und auch heute noch wird Mel von ihren Kunden immer wieder mit der Sonne in Verbindung gebracht. „Die Sonne ist definitiv mein Ding gewesen“ – sagt Mel. Aber es kam dann anders.

Der Reihe nach.

Mel hatte schon immer den Wunsch, irgendwann ein kleines Café zu eröffnen, in dem die Menschen sich treffen, unterhalten und wohlfühlen können. Während ihre Familie das immer mit den Worten „du und deine Ideen“ abtat, reifte bei ihr die Vorstellung. Es fehlte nur eine passende Räumlichkeit. Zunächst dachte sie an den ehemaligen „Kressebäcker“ – den Neidensteinern Ü50 noch ein Begriff, aber hier wären die Umbaumaßnahmen zu aufwendig. Nachdem am 30. April 2017 das Bäckerei- und Lebensmittelgeschäft Maurer geschlossen hat, kam die Überlegung dort ein Café aufzubauen – aber auch hier zeigten sich auch nötige Umbaumaßnahmen.

Aber wie gesagt: Mel ist bekannt und so kamen im Frühjahr 2017 der Gemeinderat Helmut Kimmel und Bürgermeister Frank Gobernatz hörten von Ihrer  Idee und kamen auf sie zu: Die Gemeinde hat vor das leerstehende Gebäude der ehemaligen Volksbankfiliale zu kaufen und sie soll darin ein Café mit Brötchenverkauf eröffnen, um so die örtliche Infrastruktur wieder mit auszubauen.

Mel war Feuer und Flamme und so fing sie sofort mit den Planungen an. Und darum können wir heute hier sitzen und einen leckeren Latte Macchiato genießen.

Blick ins Innere. Copyright AliSa.

„Ich habe mir das Ganze von Anfang an leichter vorgestellt“, erzählt Mel weiter und berichtet von ihren „Startschwierigkeiten“. Der Traum, ein Café kombiniert mit einer Möglichkeit zur Nahversorgung, gerade für die älteren Menschen, stellte sich als schwierig heraus. Die Bürger hatten sich nach neuen Möglichkeiten zum Einkaufen umgesehen, nachdem  mim Maurer die letzte kleine Einkaufsmöglichkeit im April 2017 geschlossen hatte. Und auch die Metzgerei Bommer und das Lagerhaus haben ihr Sortiment in dieser Zeit aufgestockt. So war Mel schnell klar: „Entweder ich veränder mich – oder ich geh bankrott.“

Immer wieder neue Ideen am Ausprobieren, wurde ein Mittagstisch ins Leben gerufen, der nicht nur bei Mitarbeitern von Betrieben in Neidenstein gut ankommt. „Auch aus Waibstadt und vielen anderen umliegenden Gemeinden wird das Angebot dankend angenommen.“

Mel kocht selbst in ihrer kleinen Küche im Mel`s. In „normalen“ Zeiten gibt es eine großzügige Frühstückskarte, einen abwechslungsreichen Mittagstisch und zweimal die Woche (immer dienstags und donnerstags) gibt es jetzt auch Abendessen. Seit diesem Sommer hat sie auch einen Biergarten – es empfiehlt sich vorher zu reservieren.

Auch wenn es im Sommer mit Frühstück und Biergarten gut lief und sie sich mittlerweile eine treue Stammkundschaft aufgebaut hat, trifft sie der zweite Lockdown hart. Trotz allem ist Mel ein sehr positiv denkender Mensch. „Gastronomie machst du, weil du‘s lebst und liebst“  und so fallen ihr immer wieder neue Ideen ein. Im April konnte man zu Ostern Fisch bestellen, zu Muttertag gab es ein Spargelessen und jetzt gibt es eine großzügige Karte mit Gerichten, die wöchentlich wechseln oder „Dauerbrennern, die immer gehen“ zur Zeit halt nur als Abholservice. Die Karte findet ihr auf Mel’s Facebook oder Instagram-Seite oder über ihre Homepage .

Leckeres Essen. Copyright Mel.

Vielen Dank liebe Mel, dass wir hinter die Kulissen von „Mel’s – Kaffee und mehr“ schauen durften und du dir die Zeit für uns genommen hast. Es ist wichtig, dass wir gerade jetzt unsere Lieblingsrestaurants, den Einzelhandel vor Ort usw. unterstützen.

Mel hat noch etwas Besonderes für euch. Sie hat uns einen Gutschein über ein Neidensteiner Frühstück und einen Mel’s Toast für ihr Türchen gegeben – vielen, vielen Dank!

Wenn ihr mögt, dann kommentiert direkt hier oder auf Facebook / Instagram bis heute Nacht 24Uhr, wie ihr momentan Restaurants oder Cafés unterstützt. Wir losen dann unter allen aus. Bitte beachtet, dass es keinen Rechtsanspruch gibt und seid bitte über 18 Jahre alt, lieben Dank.

Liebe Grüße

Alina und Sarah

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Cornelia und Friedhelm – Weingut Koch

Das Wein-Anbaugebiet Kraichgau ist eines von 9 Anbaubereichen in Baden. Geprägt von Sonnenstunden und Lössboden gedeiht so, neben vielen anderen Sorten, der Auxerrois – die Rebsorte, die so typisch für den Kraichgau ist.

Für unseren geplanten Kraichgau schmecken Spaziergang waren wir im Sommer auf der Suche nach einem Weingut hier aus dem Kraichgau und so haben wir das Weingut Koch kennengelernt.

Gerne erinnern wir uns zurück an unser erstes Gespräch – so eine Offenheit, ein direktes gegenseitiges Vertrauen. Das hat uns sehr gefreut und uns wieder einmal gezeigt #derkraichgauistmehr

Wir nehmen Euch nun mit in ein Handwerk des Kraichgaus, was nicht nur mit der Natur lebt, sondern in der Natur zu Hause ist. Ein Tipp von uns: genießt den Beitrag doch mit einem Glas Wein.

Friedhelm und Cornelia Koch haben 1983 ihr Weingut im Nebenerwerb gegründet. Die Eltern von Friedhelm hatten ebenfalls Weinberge im Nebenerwerb und die Trauben an die Winzergenossenschaft abgeliefert.

Weingut Koch in Dielheim. Copyright AliSa.

Friedhelm und Cornelia entscheiden sich dazu den Wein selbst auszubauen. Und Jahr für Jahr wird es mehr. Mehr Weinberge, mehr Wein, mehr verkaufte Flaschen. Der Platz wird knapper und knapper und der Entschluss reift: aus dem Nebenerwerb raus, rein in die Selbstständigkeit. Im Dezember 1997 beziehen sie das selbst geplante und erbaute Weingut am Rande von Dielheim.

Cornelia und Friedhelm Koch. Copyright AliSa.

Was für sie der Weinbau ausmacht, fragen wir. „Das ist Leidenschaft und Lebensgefühl gleichermaßen.“

Bei dieser Aussage bleiben wir länger hängen.

Mit dem Weinbau lebt man nicht mit der Natur, sondern in der Natur. So sprechen die Beiden sehr klar und bedacht darüber, dass man nur die Ressourcen nutzen kann, die man zur Verfügung hat. Nicht zu viel produzieren, nicht den Boden ausbeuten und gleichsam annehmen, wenn das Wetter Kapriolen schlägt – nicht hadern, denn das Wetter kann man nicht beeinflussen.

„Gerade die Bedeutung von den Ressourcen, in unserem Fall die Weinreben, nicht überstrapazieren, ist doch das, was einen gesunden Kreislauf ausmacht.“ stellt Friedhelm fest.

Die Beiden arbeiten seit Jahrzehnten Hand in Hand und in der Natur. Wir durften bei der Weinlese kurz in den Keller und zusehen, wie aus den Trauben später Wein wird – dieser Kreislauf ist und bleibt faszinierend. Aber dazu später noch mehr!

Viel sprechen wir darüber, dass Wein aus anderen Lagen in Deutschland deutlich bekannter ist, als hier aus dem Kraichgau. Der Kraichgau ist vielseitig, durch den mineralhaltigen Boden finden hier viele Pflanzen optimale Bedingungen, um zu reifen. Und so ist das Hügelland neben den Weinbergen geprägt von Kornfeldern, Streuobstwiesen, Maisfeldern und Wald.

Gerade diese Vielfalt ist es auch, was die Region so lebenswert macht. „Du bekommst hier alles, was Du zum Leben brauchst.“ Das ist eine Aussage, die wir einfach stehen lassen, weil diese so vielsagend ist.

Während unseres Gesprächs kommen und gehen immer wieder Kunden. Diese Offenheit ist die ganze Zeit spürbar – egal, ob die Kunden zum ersten Mal da sind oder langjährige Kunden – jeder fühlt sich direkt wohl.

Friedhelm und Cornelia Koch sind für uns #derkraichgauistmehr Persönlichkeiten. Sie haben ein Weingut nach Ihren Vorstellungen geschaffen, leben im Kraichgau, schätzen die Vielfalt und setzen sich tagtäglich für diese Vielfalt ein und gehen neue Wege!

Umso freut es uns Euch heute etwas Tolles mitteilen zu dürfen:

Wir machen den Wein hier im Kraichgau für Euch mit dem Weingut Koch erlebbar. Und zwar dürfen wir die Beiden ein Jahr begleiten. Vom Rebschnitt im Januar, über das Austreiben und das Einfädeln der Reben, über das Abfüllen des neuen Weins, bis hin zur Weinlese in 2021 und dann auch den kommenden Herbst, Winter werden wir gemeinsam erlebbar machen! Wir freuen uns riesig!!! Und wenn sich im Frühjahr kommenden Jahres alles wieder gebessert hat, nehmen wir Euch mit!

Frohe Weihnachten auch im Weingut. Copyright AliSa.

Liebe Cornelia, lieber Friedhelm,

vielen Dank für Eure Einblicke, Eure Zeit und Eure Offenheit! Es macht uns jedes Mal eine Freude bei Euch in Dielheim zu sein.

Wenn Ihr in den Lostopf für die Magnum Flasche möchtet, dann kommentiert hier direkt oder auf Facebook / Instagram, was für Euch den Weinbau hier im Kraichgau besonders macht.

Liebe Grüße

Alina und Sarah

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Ein Gespräch mit Nicole von ida + paul

Ihr Lieben,

„Nur dort wo Handel ist, ist Leben. Das war schon im Mittelalter so.“ Ein aussagekräftiger Satz von Nicole. Wer Nicole Gläsner ist? Die Eigentümerin von ida + paul , dem wunderbaren Kids Concept Store in Sinsheim. 

Aber der Reihe nach.

Über Instagram sind wir mit Nicole in Kontakt gekommen und eines haben wir direkt festgestellt. Nicole hat nicht nur einen außergewöhnlich durchdachten und wunderschön konzipierten Kids Concept Store aufgebaut, sie hat auch eine klare Wertvorstellung. Und das hat uns neugierig gemacht. Ist es doch das, was den Kraichgau ausmacht. Unterschiedliche Persönlichkeiten des Kraichgaus, die sich alle auf ihre ganz eigene Art und Weise für den Kraichgau einsetzen.

Taucht mit uns ein in diesen #derkraichgauistmehr Beitrag, wir wünschen euch viel Spaß! Die O-Töne von Nicole haben wir wieder in Anführungszeichen gesetzt.

2017 gründet Nicole, mit langjähriger Erfahrung in unterschiedlichen Positionen im Handel, ida + paul. Den Wunsch selbstständig zu sein, hatte sie schon länger, das Unternehmertum Gen trägt sie in sich, das Konzept ist im Kopf gereift und als sie den Laden in Sinsheim sieht, ist klar, hier setzt sie das Konzept um.

In wenigen Wochen wird der Laden renoviert, die Ware eingekauft und alles für die Eröffnung vorbereitet. Ab der Eröffnung bis heute wird ida + paul – benannt nach den Großeltern von Nicole – von den Kraichgauern geschätzt und diese Wertschätzung für ihre Arbeit gibt sie „leise“ zurück. So unterstützt sie Kindergärten, eine Sinsheimer Handballmannschaft oder ein Mutter-Kind-Heim .

 „Wenn wir uns alle gegenseitig unterstützen, dann haben wir alles was davon“ – das ist eine Überzeugung von Nicole. Ihre Ware sucht sie nach den Kriterien der Nachhaltigkeit aus, es kommt nur das ins Sortiment, was sie auch selbst nutzen würde. Und das macht sie nicht, weil Nachhaltigkeit en Vogue ist. Auch hier spricht sie bedacht aber sehr klar. „Nachhaltigkeit geht uns alle etwas an. Jeder kann etwas dazu beitragen .“  

Trotz vieler Online Shops, ist Nicole Gläsner sehr zufrieden mit dem Kundenzulauf. „Ich habe sehr viele Kunden, denen regionales Einkaufen wichtig ist und die genau wissen, dass es auch ökologisch eine Katastrophe ist alles online zu kaufen. Viele Kunden sehen den Mehrwert einer belebten Innenstadt, denn nur dort wo Handel ist, ist Leben. Wenn wir keine Läden mehr haben, gibt es auch irgendwann keine Innenstädte mehr, dann gibt es keine Cafés, keine Restaurants und somit auch kein Leben mehr“.

Gerade hier in Sinsheim gibt es noch viele individuelle Läden, es gibt privat geführte Cafés und Gastronomie. Nur wir als Gemeinschaft im Kraichgau können dafür sorgen, dass es auch dies noch in vielen Jahren gibt.

Wichtig ist ihr im Bereich der Nachhaltigkeit aber auch: lieber weniger und dafür hochwertiger. „Es geht nicht darum möglichst viel zu konsumieren. Gerade Babys und kleine Kinder benötigen nicht viel .“ Viel wichtiger ist es ihr, dass die Produkte hochwertig sind und somit auch noch an weitere Generationen weitergegeben werden können.

Zum Abschluss unseres Gesprächs gibt sie uns noch etwas mit: Jeder wird bei ihr gleichbehandelt. Ob groß oder klein, dick oder dünn, schwarz oder weiß, arm oder reich, jemand der kauft oder jemand der nur schaut – Gleichbehandlung ist ihr extrem wichtig. Wir sind überzeugt, dass die Kunden das spüren und schätzen. Im ersten Lockdown haben es ihre Kunden zurückgegeben und sie durch den Lockdown getragen. Dafür ist sie sehr dankbar . Es ist eben doch ein Kreislauf und ein Miteinander.

Noch lange wirkt das Gespräch bei uns nach und für uns ist Nicole definitiv eine #derkraichgauistmehr Persönlichkeit. Mit ihren klaren Ansichten zu verschiedenen Themen und diesem so durchdachten Konzept bereichert sie den Kraichgau .

Vielen Dank liebe Nicole, dass wir hinter die Kulissen von ida + paul schauen durften und du dir die Zeit für uns genommen hast.

Nicole mit Ihrer Tochter Shirley. Copyright AliSa.

Nicole hat noch etwas Besonderes für euch. Sie hat uns einen 50€ Gutschein für ihr Türchen gegeben – vielen, vielen Dank!

Wenn ihr mögt, dann kommentiert direkt hier oder auf Facebook / Instagram bis heute Nacht 24Uhr, was für euch den stationären Handel hier im Kraichgau ausmacht. Wir losen dann unter allen aus. Bitte beachtet, dass es keinen Rechtsanspruch gibt und seid bitte über 18 Jahre alt, lieben Dank.

Liebe Grüße

Alina und Sarah

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#derkraichgauistmehr – Eschelbronn ist lebenswert

Ihr Lieben,

Roland Wolf, Hans-Peter Miesel, Rainer Heilmann und Manfred Schmitt – vier „Urgesteine“ aus Eschelbronn für die Eschelbronn nicht nur Heimatort, sondern „ganz einfach lebenswert“ ist. Bevor wir euch von dem Gespräch berichten und mitnehmen in eine spannende Zeitreise zurück in die Blütezeiten des Schreinerhandwerks, erzählen wir euch, wie die Zusammenarbeit zwischen dem Heimat- und Verkehrsverein Eschelbronn und uns entstanden ist.

Wie alles begann

Nach dem Bericht in der Rhein-Neckar-Zeitung über uns im Juni meldete sich Rainer Heilmann bei uns und bot uns eine Führung im Schreiner- und Heimatmuseum Eschelbronn an. Die Führung dauerte letztendlich mehrere Stunden und so richtig weg wollten wir nicht mehr. Zu spannend war alles. Oder wusstet ihr, dass ihr dort echte Meisterstücke von Schreinern bewundern könnt, eine unfassbar große Hammersammlung vorhanden ist und einen Kaufmannsladen, in dem man wirklich noch einkaufen kann? Wir kamen von einem Thema ins nächste, draußen probte der Musikverein und der Abend wurde immer länger. Danach war klar, irgendwie wollen wir zusammenarbeiten. Und aus diesem „irgendwie“ wuchs auf beiden Seiten der Wunsch sich der Geschichte des Ortes anzunähern und in die Ortsvorstellung von Eschelbronn einfließen zu lassen.

Hammersammlung im Heimatmuseum Eschelbronn. Copyright Hans-Peter Miesel.

So kam es schließlich, dass wir im September in der ausgebauten Pausenhalle des Museums zusammensaßen und uns über mehrere Stunden austauschten.

Die Pausenhalle vor dem Umbau. Copyright Hans-Peter Miesel.

Wir haben dieses Gespräch aufgezeichnet und mal schauen – vielleicht stellen wir euch die Aufnahme ja auch noch zur Verfügung oder machen einen Live Podcast daraus? Was haltet ihr davon? Nun aber erstmal viel Spaß beim Eintauchen in diesen #derkraichgauistmehr Bericht ! Wir haben immer wie O-Töne der Herren in den Text eingebaut. Diese sind dann in Anführungszeichen gesetzt.

Die vier Herren – eine Vorstellung

Roland Wolf, waschechter Eschelbronner, ist sicherlich den meisten von euch ein Begriff. Schon sein ganzes Leben lebt er in Eschelbronn. Er hat vor rund 15 Jahren von seinem Vater die Aufgabe übernommen für die RNZ über Eschelbronn zu schreiben. „Roland mach du des“ – seitdem schreibt er mit „voller Freude“ über alles, was im Dorf passiert. Im Heimat- und Verkehrsverein ist er Schriftführer und möchte so weiter machen „wie lange er kann“.

Hans-Peter Miesel kam am 29.Januar 1967 mit dem Zug das erste Mal nach Eschelbronn. Grund war die Einladung seiner damaligen Freundin (heutigen Frau). Die beiden sind auf den weißen Berg und dann nach Neidenstein auf die Burg und zum Tanz. Danach war klar „dort kann ich lebe“. Er hatte sich in dem Moment nicht nur in seine Ehefrau verliebt, sondern in den ganzen Ort. An der 1200 Jahr Feier wurde er für den Heimat- und Verkehrsverein geworben, er war 11 Jahre Vorstand und engagiert sich bis heute sehr für den Erhalt und den Aufbau des Museums. Die Pausenhalle beispielsweise haben sie in 6 ½ Jahren und mit 5500 Arbeitsstunden renoviert – sein größtes Projekt. Sein größter Enkel ist seit Geburt Mitglied im Heimat- und Verkehrsverein – „was muss, das muss!“

Rainer Heilmann ist absoluter Ureinwohner von Eschelbronn – die ersten Erwähnungen seiner Familie sind von 1658! Aufgewachsen mitten im Ort, kennt er die Schreinereien von innen und ist als Bub durch die ganzen Wälder rund um Eschelbronn gestreift. Inklusive der „Fehde“ mit den Neidensteiner Buwe, die entsprechend ausgetragen wurde. Beruflich bedingt war er jahrelang sehr viel unterwegs, Teil des Heimat- und Verkehrsverein ist er, seit er neun Jahre alt ist. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch einen Fanfahrenzug – 1974 wurde dieser dann aber aufgelöst. Seit 1992 ist er in der Vorstandschaft und seit 2003 erster Vorstand. Er lebt nicht nur gerne hier, er engagiert sich auch sehr, dass es schön ist im Ort – auch wenn es teilweise schwierig ist. „Wird nur was gemacht, wenn es monetär sinnvoll ist?“

Manfred Schmitt war das erste Mal im Alter von neun Jahren für den Heimat- und Verkehrsverein tätig und brachte Rechnungen zum Kassier. Seit 1961 ist er schließlich selbst offizielles Mitglied, seit 1971 im Vorstand (damals als jüngster Beisitzer) und seit 1990 für die Vereinskasse tätig. Aber nicht nur das: er setzte sich neben seinem bis heute andauerndem Engagement für Festschriften und Ortsführer als Bahnhofspate 10 Jahre lang ehrenamtlich für die S-Bahn Haltestelle in Eschelbronn ein und hielt den Bahnsteig sauber und kümmerte sich um den Ticketautomaten. Auch für die Eschelbronner Strophe des Badnerlieds ist er verantwortlich aber dazu später mehr.

v.l.n.r.: Manfred Schmitt, Roland Wolf, Rainer Heilmann und Hans-Peter Miesel. Copyright: Fabian Miesel.

Der Heimat- und Verkehrsverein

Der Heimat- und Verkehrsverein mit seinen 126 Mitgliedern ist vor allem für die Arbeiten in Bezug auf das Schreinermuseum bekannt. Aber die Aufgaben sind wesentlich vielfältiger. Rainer Heilmann spricht von „Kleinigkeiten“, um die sich die Mitglieder kümmern. In unserem Gespräch haben wir diese Kleinigkeiten näher beleuchtet. Der Verein organisiert in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen auch viele kulturelle Ereignisse im Ort – vom Martinsumzug, über den Kerweumzug, bis hin zum Seniorennachmittag. Daneben werden Grenzsteine restauriert, es gibt immer wieder Kooperationen mit der Schule, das Ferienprogramm, die Führungen im Museum und und und. Unfassbar, wie viel von dem Verein vorangetrieben wird. Mit 126 Mitgliedern fragen wir? Lachen auf der anderen Seite. Aussage von Rainer Heilmann „mit um die fünf mit 126 im Rücken“ – damit meint er, dass bei benötigter Hilfe alle da sind aber natürlich ist es der harte Kern, der es vorantreibt! Alle vier sind sich weiterhin über besonders eine Sache einig – das Engagement von Ihnen ist nur möglich, da Ihre Familien sie hierbei unterstützen.

Wusstet Ihr eigentlich, dass der Verein ursprünglich als Gewerbeverein zur Unterstützung der ansässigen Unternehmen gegründet wurde? Daher waren auch hauptsächlich die ganzen Schreiner und Handwerker Mitglied. Der Altersdurchschnitt des Vereins ist mittlerweile recht hoch – sind viele Mitglieder doch mit dem Verein über die Jahre älter geworden. Möchtet Ihr Teil des Vereins werden und Euch engagieren? Die Herren freuen sich über neue Mitglieder – sprecht sie einfach an.

Was uns natürlich auch interessiert hat an dem Abend ist die Geschichte, wie Eschelbronn zum Schreinerdorf wurde.

Eschelbronn – vom armen Frohndorf zum Schreinerdorf

Wer aus dem Kraichgau stammt, weiß, Eschelbronn ist das Schreinerdorf. Aber warum eigentlich? Dafür springen wir mit Euch zurück ins 19. Jahrhundert. Um 1870, vermutlich 1871, ging Georg Adam Kaiser auf die Walz und traf im Südbadischen Lahr auf den Schweizer Johannes Reimann. Reimann zeigt Georg Adam Kaiser das Furnierhandwerk. Georg Adam erkennt schnell, welches Potential das Furnierhandwerk hat und bringt ihn mit nach Eschelbronn. Dort verliebt sich der Schweizer Johannes Reimann in eine Eschelbronnerin, bleibt somit hier und gibt sein Wissen über das Furnierhandwerk an die anderen Schreiner im Ort weiter.

Adam Kaiser mit Gesellen im Jahr 1882. Adam Kaiser Junior und Adam Kaiser Senior sitzend in der mittleren Reihe – jeweils mit Hut. Copyright: Ortschronik Eschelbronn 1989. Repro durch Hans-Peter Miesel.

1876 wird der Bahnhof in Eschelbronn von der Großherzoglichen Badischen Eisenbahnlinie in Betrieb genommen – ein großer Vorteil für die Eschelbronner Schreiner und der Beginn des Wachstums. Mussten bis dahin die Möbel zu Fuß oder mit dem Pferde Fuhrwerk transportiert werden, konnten diese nun einem viel größeren Kundenkreis vorgestellt werden. Im Jahr 1925 wurden bei 1135 Einwohnern 54 Schreinereien gezählt, im Jahr 1938 sogar dann 60 Schreinereien. Eine der größten Möbelfabriken im Ort war Philipp Ernst. Er verlegte sehr früh seinen Betrieb in die Schulstraße. Dort wuchs das Unternehmen stetig an und hatte im Jahr 1960 bereits 200 Mitarbeiter. Das ganze Leben im Ort richtete sich nach dem Betrieb von Philipp Ernst. Morgens um 7Uhr ertönte die Sirene zum Beginn und um 17Uhr schließlich endete die Arbeit – der ganze Ort deswegen, da auch die Bauern die Sirene der Fabrik für die Einteilung ihres Alltags nutzten. Bereits damals wurde etwas für die „Vereinbarkeit“ gemacht – die Frauen konnten früher den Betrieb verlassen, um zu Hause essen zu kochen und die Hausarbeit zu verrichten. Viele Häuser hätten in dieser Zeit nicht gebaut werden können, wenn die Frauen nicht aktiv mitgearbeitet hätten.

Blick auf das Unternehmen Philipp Ernst, im Jahr 1968. Copyright: von Hans-Peter Miesel zur Verfügung gestellt.

Schauen wir heute auf Eschelbronn, so stellen wir fest, dass es keine 60 Schreinereien mehr gibt. Richtig. Die Blütezeit nach dem zweiten Weltkrieg war zwischen den 50er und 80er Jahren, sogar eine eigene Berufsschule für die Schreiner wurde in den 50er Jahren hier in Eschelbronn angesiedelt.

Die Gewerbeschule, 1954. Copyright: zur Verfügung gestellt von Hans-Peter Miesel.

Die letztendliche Katastrophe kam dann schließlich 1994 mit dem Jahrhunderthochwasser, was die Schreinereien sehr stark getroffen hat. Die Schreinereien, die heute noch in Eschelbronn ansässig sind, stehen weiterhin für exzellente Handwerkskunst. Und das ist es auch, wie es Rainer Heilmann an diesem Abend sehr schön zusammengefasst hat „Schreiner sind Künstler für mich. Die sehen beim Fällen im Wald schon, wie das Möbelstück hinterher aussieht!“

Wenn Ihr Euch mehr mit dem Schreinerdorf beschäftigen möchtet, dann schaut unbedingt das Schreinermuseum an. Dort wird das Schreinerhandwerk und die Entwicklung in Eschelbronn sehr anschaulich erklärt und dargestellt – inklusive einer Furnierpresse und einer „richtigen“ Schreinerei mitten im Museum.

Ein Blick ins Schreinermuseum. Copyright Hans-Peter Miesel.

Wir verlassen nun aber das Schreinerhandwerk und machen uns auf die Suche, was Eschelbronn für die vier Herren so lebenswert macht.

Eschelbronn – das lebenswerte Ort

Eschelbronn ist lebenswert – die Aussage viel mehrfach an diesem Abend. Aber was macht einen Ort lebenswert? Dieser Frage ging auch Roland Wolf nach unserem Gespräch nach und seinen Artikel könnt ihr in der Rhein-Neckar-Zeitung nachlesen. Steigen wir ein in die Suche, was Eschelbronn lebenswert macht. Eschelbronn ist eigenständig und spannenderweise ist von der „Landflucht“ hier nichts zu spüren. Eschelbronn wächst. Gerade wurde ein neues Baugebiet Richtung Neidenstein erschlossen. Es gibt Ärzte, Physiotherapeuten, Handwerker und und und. „Alles was man braucht“ stellt Hans-Peter Miesel fest und betont, dass nahezu alles ebenerdig ist und somit Rollstuhl geeignet. Das in Verbindung mit der Natur und der S-Bahn – das ist das, was lebenswert ist!

„Auch der Zusammenhalt durch die Vereine ist spürbar, viele Zugezogene wollen hier nicht mehr weg“, ergänzt Roland Wolf die Aussage von Hans-Peter Miesel. Über 30 Vereine gibt es mittlerweile in Eschelbronn, die alle gemeinsam für ein tolles Miteinander vor Ort stehen.

Ebenfalls hat Eschelbronn noch eigenes Quellwasser – halb, halb mit dem Bodensee Wasser gemischt fließt es durch die Leitungen. Die Quelle ist so groß, dass auch das Wachstum des Orts kein Problem darstellt. Es sprudelt nach wie vor das Quellwasser – darum wurde die letzten Jahre auch immer wieder gekämpft. Gab es doch schon öfters Initiativen, dass Quellwasser eben nicht mehr zuzulassen. Aber nicht mit den Eschelbronnern. So wurden Gegengutachten erstellt und bis heute können die Eschelbronner auf ihr eigenes Wasser zurückgreifen.

„Allerdings darf man jetzt auch nicht einfach alles durch eine Blase sehen“, findet Roland Wolf. Von ehemalig 7 Gasthäusern, ist gerade einmal eines übrig geblieben. Zu wenig für die kulturelle Vielfalt die Dorfgemeinschaft.  

Aber trotz allem, „Wir haben ein gesundes Dorfleben“, da sind sich alle vier einig und vor allem ist es in Eschelbronn einfach lebenswert!

Die Lieblingsorte der vier Herren

Wie Ihr wisst, machen wir den Kraichgau erlebbar. Und somit haben wir natürlich die Chance genutzt und die vier Herren gebeten, uns ihren Lieblingsort von Eschelbronn oder ihren Lieblingsspaziergang zu verraten. Und hier sind sie:

  • Roland Wolf und Manfred Schmitt sind sehr gerne auf dem “Galgenbuckel”
  • Hans-Peter Miesel spaziert gerne den Rundweg, den er damals auch mit seiner Frau gegangen ist. Auf den weißen Berg, rüber nach Neidenstein zur Burg und zurück
  • Rainer Heilmann ist auch sehr gerne auf dem weißen Berg, genießt dort den Odenwaldblick und läuft dann mit Blick über Eschelbronn zurück ins Ort

Vielleicht trefft ihr ja mal den einen oder anderen, wenn ihr selbst unterwegs seid?

So vieles könnten wir Euch noch berichten, es war ein spannender und gleichsam informativer Abend mit einer Fülle an Informationen.

Und allein die vier live zu erleben, ist ein Erlebnis 😉 Daher haben wir uns gemeinsam mit den Herren überlegt: es wird – sobald es die Infektionszahlen zulassen – einen gemeinsamen Dorfrundgang mit anschließender Gesprächsrunde geben. Dort werden die Vier dann noch viel mehr über die Eschelbronner Geschichte berichten und vielleicht (oder sicherlich) auch die Strophe des Badnerlieds zum Besten geben:

“Im Kraichgau liegt mein Eschelbronn, es ist mein liebster Ort. Im Wiesental die Schwarzbach rauscht, ich möchte von hier nicht fort. Drum grüß ich dich mein Badnerland…”

Wir möchten zum Schluss dieses langen Blogbeitrags vor allem “Danke” sagen. Vielen Dank Roland, Manfred, Hans-Peter und Rainer. Vielen Dank für eure vielen Infos, die Bilder, die WhatsApp Nachrichten, die gemeinsame Zeit. Die Zusammenarbeit mit euch ist einfach toll und wir freuen uns, dass diese weitergeht!

In diesem Sinne freut euch heute schon auf einen super spannenden Ortsrundgang und bleibt gesund!

Eure

Alina und Sarah

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#derkraichgauistmehr – Ottmar Lehmann

Ihr Lieben,

heute haben wir einen für uns ganz besonderen Beitrag für euch in unserer Rubrik #derkraichgauistmehr

Alles begann mit dem folgenden Satz „Ihr müsst euch unbedingt mit Ottmar Lehmann unterhalten. Er ist das lebende Gedächtnis von Waibstadt“.

Und genau das haben wir getan. Wir durften Ottmar Lehmann besuchen und in seinem Büro seinen Geschichten über Waibstadt lauschen. Die Begrüßung lautete „Ich kanns euch gleich sage, meine Geschichte passt aber net ganz mit der von der Stadt überein.“

Solltet ihr die Gelegenheit bekommen, Ottmar Lehmann live zu erleben, dann nutzt diese! Sein Wissen über Waibstadt und den gesamten Kraichgau ist beeindruckend und die Art und Weise wie er berichtet, einmalig.

Seine Aufzeichnungen reichen zurück bis zur ersten Erwähnung von Waibstadt als Siedlung an der Mündung von Krebsbach in Schwarzbach.

Wir sind mit ihm im Laufe des Gesprächs auf das Ende des zweiten Weltkriegs zu sprechen gekommen, welches er selbst als Junge miterlebt hat. Das was in Waibstadt zum Ende des Krieges passiert ist, hat uns so in den Bann gezogen, dass wir mit ihm vereinbart haben, darüber zu schreiben.

Das was ihr nun lest, basiert auf den Erinnerungen und Aufzeichnungen von Ottmar Lehmann und ist von ihm auch freigegeben worden.

Wir schreiben das Jahr 1945.

Die Front rückt immer näher und es ist nahezu jedem klar – es wird keinen Sieg mehr geben. Ständig ziehen Truppen vorbei, in einem nicht vorstellbaren Zustand – die Soldaten sind wenn überhaupt oftmals nur noch in der Lage am Stock zu gehen, Pferde brechen mitten auf der Straße zusammen. Inmitten dieser letzten Kriegstage wird die Erstkommunion auf Gründonnerstag vorgezogen, da die amerikanischen Truppen bereits vor Ludwigshafen stehen. Diese friedliche Feier inmitten der Unruhe des Krieges wirkt wie ein Moment des Stillstands.

In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag ist an Schlaf dann kaum mehr zu denken. Zwischen Meckesheim und Eschelbronn werden Kämpfe gemeldet, die meisten Waibstadter verbringen die Nacht im Keller und nur wenige besuchen den Gottesdienst am Ostersonntag.

In diesen letzten Kriegstagen setzt sich Anton Hofherr, Bürgermeister von Waibstadt, unerschrocken für Waibstadt ein. Für ihn steht die Rettung von Waibstadt im Mittelpunkt. So sorgt er dafür, dass bei der angeordneten Brückensprengung die Häuser unversehrt blieben und vor allem tut er alles dafür, dass auch die letzten Soldaten vor dem Eintreffen der Amerikaner Waibstadt verlassen. Und es gelingt ihm!

Die deutschen Militäreinheiten hatten eigentlich beschlossen Waibstadt zu verteidigen. Aber genau das wäre der Untergang gewesen, das war Anton Hofherr klar. So übermittelt er den Offizieren im Waibstadter Hof den fingierten Befehl, dass alle Truppen in das Gebiet bei Neckarelz am Neckar zusammenrücken sollen. Niemand der Offiziere überprüft diese Meldung und so ziehen bis Ostermontag 2 Uhr alle deutschen Truppen aus Waibstadt ab – gerade noch rechtzeitig!

Denn am Ostermontag um 9Uhr10 fahren die ersten Panzer den Berg von Epfenbach kommend runter in die Stadt. Dem Bürgermeister werden drei Fragen gestellt: „Sind noch deutsche Soldaten hier? Wird die Stadt verteidigt? Ergibt sich Waibstadt?“ Die Antwort lautet: „Ich füge mich der Gewalt“. So wird sofort eine weiße Flagge auf dem Kirchturm gehisst und alle Häuser weiß beflaggt. Die Waibstadter können aufatmen und ahnen gleichsam nicht, welche Schreckensherrschaft auf sie wartet.

Und genau diese Aussage von Ottmar Lehman ließ uns direkt nachfragen. Wie Schreckensherrschaft? Waibstadt war doch befreit worden? Was passierte da? Ottmar Lehman berichtete uns dann von einer Zeit voller – für uns heute – unvorstellbarer Gewalt. Lest selbst.

Mitten in diesen ersten Tagen der amerikanischen Besetzung taucht Maurice Thomas in einem schwarzlackierten Wagen mit französischer Flagge auf. „Ich bin Lagerkommandant der hier lebenden Ausländer“ stellt er sich vor. Das ist der Beginn einer schier nicht vollstellbaren Zeit der Gewalt. Aber das ahnt in dem Moment niemand. Im Auftrag der Militärregierung besetzt er die Villa Roster und zieht aus der ganzen Umgebung polnische und russische Männer zusammen und sorgt für ihre Unterbringung. Dafür werden nach und nach Häuser beschlagnahmt, Lebensmittel den Einwohnern weggenommen und das Vieh aus den Ställen ebenfalls.

Ein Rivale aus Eschelbronn stellt Maurice Thomas, genannt „Mori“ im Rathaus. Mori gewinnt diesen Kampf, zeigt den Rivalen bei der amerikanischen Regierung an und behauptet, dass Waibstadt noch voller SS stecke. Aufgrund dieser Behauptung ist der 08. April 1945 der nächste Schicksalstag für Waibstadt. Denn die amerikanische Militärregierung umstellt Waibstadt und alle Männer zwischen 15 und 70 Jahren müssen sich auf dem Marktplatz einfinden. In der Mitte wird ein Maschinengewehr aufgebaut. Frauen und Kinder weinen, es herrscht eine unvorstellbare Angst. Über 100 Männer werden abtransportiert, der Pfarrer darf wenigstens noch Essen, Kleider und Decken den Männern reichen, bevor diese zum Verhör nach Mosbach gebracht werden. Aber nicht nur das Mori durch diese Falschaussage dafür sorgt, dass 100 Männer in Mosbach verhört werden (fast alle kehren unversehrt ein Tag später zurück), nein, er sorgt auch dafür, dass der bisherige Bürgermeister abgesetzt wird.

Stattdessen wird der Lumpensammler Fehl eingesetzt. Josef Fehl wurde am 5. September 1898 in Obergimpern geboren, war ab 1931 in Waibstadt gemeldet und mit einer Zigeunerin verheiratet. Er wanderte 1932 nach Chicago aus, saß dort im Gefängnis Sing-Sing, wurde 1936 abgeschoben und ab 1937 wieder in Waibstadt gemeldet. Durch seinen Aufenthalt in den USA hat er aber einen Stempel mit amerikanischer Staatbürgerschaft. Und deshalb wird er von den amerikanischen Truppen als Ortsvorsteher eingesetzt. Fehl wiederum ist Mori hörig und somit ist Waibstadt den Truppen von Mori ausgeliefert.

Kaum zu glauben was sich in der kommenden Zeit abspielt. Mori lässt durch seine Truppen ein Haus nach dem anderen räumen, Frauen und Mädchen werden belästigt, Männer verhaftet und misshandelt. Der Pfarrer fährt mehrmals mit dem Fahrrad nach Sinsheim und berichtet der amerikanischen Militärregierung von den Gegebenheiten aber es wird nicht reagiert.

Die Situation spitzt sich zunehmend zu. Eines Abends berichtet Irmgard Laga, die älteste Tochter von August Rieser, von einem neuen Mord. In den Abendstunden war Mori vor ihrem Haus vorgefahren und hatte einen Mann auf den Kühler gebunden. Dieser wurde losgemacht und in den Keller gestoßen. Später wurde er herausgeholt und musste im Garten sein eigenes Grab schaufeln. Über Nacht wurde er von den Truppen Moris im Keller derart misshandelt, dass er verstarb. Wie sich später herausstellen sollte, handelte es sich um den Schulrat Werner aus Mannheim, der zu dieser Zeit in Daisbach lebte.

Dem Pfarrer ist klar. So darf und kann es nicht weitergehen! Er erstattet sofort Anzeige bei dem Landrat wegen dem Mord und beginnt selbst zu recherchieren. Ist Mori tatsächlich ein Franzose? Das kann doch alles nicht stimmen. Durch einen Rechtsanwalt erfährt der Pfarrer schließlich, dass Mori zuletzt in Helmhof gelebt hat und davor als SS Angehöriger für das Lager in Hochhausen eingekauft hat. Auf diese Erkenntnis hin kommt Kaufmann Henk aus Heidelberg nach Waibstadt. Auch er möchte nun wissen, wer genau Mori ist – denn er ist ein Verwandter von Dr. Link, der ebenfalls durch Moris Truppen verhaftet wurde. Er fährt nach Helmhof und trifft dort auf Mori, der zufällig ebenfalls dort ist. Und dieser schöpft direkt Verdacht und lässt den Kaufmann samt seinem Chauffeur direkt verhaften, misshandeln und in den „Mordkeller“ werfen. Aber die beiden haben Glück und können durch Schreie auf sich aufmerksam machen.

Wieder ist es Irmgard Laga. Sie informiert den Pfarrer. Und dieser reagiert sofort. Er fährt trotz Ausgangssperre und aufgestellter Posten nach Sinsheim und spricht mit der Militärregierung. Es kann so nicht weitergehen. Und entweder greift die Militärregierung endlich ein oder die Waibstadter werden selbst in den Kampf gegen Mori ziehen. Endlich reagiert der Kommandant. Er selbst fährt noch am Abend nach Waibstadt und befreit den Kaufmann und weitere Personen.

Mori wird verhaftet, Fehl abgesetzt! Nun endlich ist Waibstadt befreit.

Mittlerweile dämmert es und es ist fast 20 Uhr. Die letzten Stunden sind im Flug vergangen und wie gebannt sitzen wir auf der kleinen Bank in Ottmar Lehmanns Büro. Das Ende des Krieges in Waibstadts, die Besetzung und die Schreckensherrschaft von Mori, das darf nicht in Vergessenheit geraten – da sind wir uns mit Ottmar Lehmann einig.

Derzeit erstellt er gemeinsam mit seinem Enkel Kurzfilme über die Geschichte von Waibstadt. Wir freuen uns schon darauf, wenn diese fertig sind – wir werden diese sicherlich anschauen. Und wir sollen euch allen mitgeben, dass Ihr auch alle gerne kommen könnt, wenn die Filme gezeigt werden und dort eure Fragen zum Kriegsende in Waibstadt stellen könnt.

Vielen Dank an dieser Stelle an Ottmar Lehmann für seine Offenheit und die Möglichkeit auf seine Aufzeichnungen zugreifen zu dürfen. Dieser #derkraichgauistmehr Bericht wird uns für immer in Erinnerung bleiben.

Es hat euch gefallen? Dann freuen wir uns über ein Like und wenn ihr unseren Blog abonniert. Ihr kennt auch jemanden, der in die Reihe #derkraichgauistmehr gehört? Dann gebt uns Bescheid, wir freuen uns.

Liebe Grüße

Alina und Sarah

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AliSa – #derkraichgauistmehr

Ihr Lieben,

heute ist es soweit – unsere AliSa Reihe #derkraichgauistmehr startet. In unserer AliSa #derkraichgauistmehr Reihe sprechen wir mit Personen, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise im Kraichgau aktiv sind und sich für diesen einsetzen – ganz nach dem Motto #derkraichgauistmehr.

Derzeit läuft auf Instagram und Facebook unsere Ortsvorstellung über Waibstadt. Hier gab es und gibt es bis heute ein außergewöhnliches Engagement des Turnvereins Waibstadts und der SG Waibstadt zur Unterstützung der ansässigen Gastronomie und des Handels, sowie zur Bewahrung der Veranstaltungen während der Corona Pandemie. Genau über dieses Engagement haben wir uns mit Markus Stumpf, Vorsitzender der SG Waibstadt, und mit Boris Schmitt, Vorsitzender des Turnvereins Waibstadts, unterhalten bzw. geschrieben.

Nun aber viel Spaß beim Lesen!

Lieber Boris, lieber Markus,

wir freuen uns, dass ihr uns ein paar Einblicke in eure letzten Monate gebt. Von außen geprägt von einem tollen Engagement zur Unterstützung der Gastronomie in Waibstadt, den Gewerbetreibenden und ein Beweis für eine gelebte Gemeinschaft ganz nach dem Motto “Waibstadt steht zusammen”.

Wann war euch klar “jetzt gilt es” und wann fand dann das erste Gespräch zwischen euch beiden statt?

Boris: Wir haben im Turnverein uns gleich zu Beginn der einschränkenden Corona-Verordnungen auf neue Wege verständigt. Turnratssitzungen wurden virtuell als Videokonferenz abgehalten und wir haben überlegt, was ist erlaubt, wie können wir trotzdem Gemeinschaft leben. Markus und ich sprechen regelmäßig, die gemeinsamen Aktionen von SG und TV haben sich dann entwickelt. 


Markus: Der TV war hier sicherlich der Vorreiter und wir mit der SG haben uns ein bisschen dran gehängt und die Aktionen haben sich wie schon von Boris geschrieben, entwickelt. 

Wie seid ihr denn auf die ganzen Ideen und besonders das Pizza Duell gekommen? 

Boris: Tatsächlich haben wir nur einen Bruchteil unserer Ideen tatsächlich umgesetzt. 


Markus: 2015 gab es schon mal ein Duell zwischen TV und SG auf dem Marktplatz. Pizzaduell und Grillduell wurden da schon ein bisschen von abgeleitet. 

Es wird oft von diesem besonderen Zusammenhalt in Waibstadt gesprochen. Was glaubt ihr woher kommt dieser? 

Boris: Das ist historisch gewachsen, durch eine starke Vereinslandschaft, durch die Adler-Brauerei vor Ort, durch die vielen musiktreibenden Menschen und Vereine, die zu jedem Fest auch Live-Musik beitragen können. Wir hoffen, dies immer wieder neu festigen und weiterführen zu können – zum Beispiel durch diese Aktionen, aber auch durch das gute Miteinander von Geselligkeit und stetiger Verbesserung von Vereinsangeboten, von Festen (Stichwort: Nachhaltigkeit) und vielen mehr.


Markus: Ich glaube der Zusammenhalt war früher nicht immer so, dies hat sich in den letzten Jahren aber sehr zum Positiven entwickelt. 

Spürt ihr jetzt einen noch stärkeren Zusammenhalt in euren Vereinen? 

Boris: Nein, aber es hat sich aus diesen Aktionen eine neue Abteilung gebildet, die zukünftig zum Beispiel auch einen Kulturkalender herausgeben wird. Das ist uns wichtig, immer neuen Raum geben für Entwicklungen und für neue Ideen. Wir bewahren und schaffen Neues. 


Markus: Das ist eine gute Frage. Den Zusammenhalt werden wir sehen, wenn wir beim nächsten Fest, der nächsten Veranstaltung  wieder alle zusammen anpacken müssen/ dürfen. 

Bestimmt habt ihr noch was geplant für 2020 oder? 😉 Verratet ihr uns schon etwas dazu? 

Boris: Klar, wir haben beispielsweise noch ein absolutes musikalisches Highlight geplant – ein Trio aus den Reihen der bekannten Blasmusikgruppe „Mnozil Brass“ wird nach Waibstadt kommen. Da sind wir stolz drauf. 


Markus: Dies wird sich in Bezug auf unsere Kerwe recht spontan entscheiden, ob und was wir als SG am Kerwewochenende auf die Beine stellen wollen und dürfen. 

Eine Frage noch bezüglich der neu gegründeten Abteilung im Turnverein. Wurde diese Gründung durch die letzten Monate nochmal bestärkt? 

Boris: Ja, wir haben schon immer einen Kulturwart, der Querschnittsaufgaben übernimmt, aber die Gründung der Abteilung wurde nun maßgeblich auch durch die letzten Monate forciert. 

Vielen Dank Euch für die Einblicke und das Interview. Euer Engagement ist wirklich außergewöhnlich und strahlt weit über Waibstadt hinaus! Vielen Dank.

Abschlussbild des Pizza Duells – zur Verfügung gestellt von TV Waibstadt und SG Waibstadt.

Hat euch das erste Gespräch #derkraichgauistmehr gefallen? Dann freuen wir uns über ein Like, eine Weiterempfehlung und wenn ihr unseren Blog abonniert.

Wir sind schon mitten in den Vorbereitungen von weiteren Gesprächen in dieser Reihe und wenn alles klappt, könnt ihr es euch bald auch anhören!!!

Liebe Grüße

Alina und Sarah